Ich glaube dieser Verdacht liegt nahe, er ist nicht ohne innere Berechtigung
und ahnende Erkenntnis geäußert. Hier wird bildhaft vor Augen geführt,
was, insbesondere um die Jahrhundertwende die Literatur beschäftigte und
in Atem hielt: der Gegensatz von Kunst und Leben, die Unmöglichkeit, als
Künstler auch Bürger sein zu dürfen. Aller Kunst ist ihre Abgegrenztheit
vom alltäglichen Leben, von den Wonnen des Gewöhnlichen, inhärent.
Hanno Edelmann ist Künstler und nicht Macher oder Produzent. Er nimmt seine
Sache ernst, weiß das Kunst mehr ist als schön, gut oder gefällig
Gemachtes oder Gestaltetes. Kunst, so weiß er, kommt eben nicht von "können"
, sondern von "künden".
Der wahre Künstler ist somit ein
Künder, einer, der die Wahrheit über die Welt und unsere Rolle in
ihr kennt .
Hanno Edelmann, 1923 in Hamburg geboren, ist seiner Vaterstadt zeitlebens treu
geblieben. Hier hat er studiert, hier hat er seine künstlerische Ausbildung
erhalten, bei Willem Grimm, bei Werner Haftmann und anderen. Natürlich
teilte auch er das Los seiner Jahrgänge: Krieg und Gefangenschaft musste
er in Frankreich und später in Russland und Sibirien erleiden. Vielleicht
war es das Medium der Kunst, das ihm die Antwort gab auf die Fragen nach diesem
Geschehen, nach der Verantwortung dafür und der Suche nach einem Weg solcherlei
Grausamkeiten nicht nochmals zuzulassen.
Irre ich mich, wenn ich glaube, das insbesondere das Verbrechen am jüdischen
Volk bis heute in Edelmann nachwirkt und seine Kunst beeinflusst? > weiter >