Es sind nicht
nur die Physiognomien vieler seiner Gestalten, sondern auch Symbole wie das
Buch oder auch die Fidel, die seine Bildgehalte in der Nähe jüdischen
Lebens ansiedeln. Sie, die Juden, sind Künstler und Wissende von altersher
aber auch Gezeichnete und Außenseiter und damit legitime Brüder und
Schwestern der Künstler.
Einer, der beides war, Jude und Künstler,
und der wie kaum eire Zweiter gerade uns Deutschen die Hand reichte zur Versöhnung,
indem er uns beispielsweise die beispiellosen Kirchenfenster in der Mainzer
St. Stephanskirche schenkte, war Marc Chagall. An ihn erinnert Edelmann nicht
nur ganz direkt, indem er in einer Bronze Chagall in enger, behutsamer Umarmung
mit seiner zweiten Frau zeigt, sondern auch assoziativ, auf dem großformatigen
Ölbild ",Witebsk" etwa, das sich frei anlehnt an Chagalls Fiedler
über den Dächern seiner russischen Heimat gleichen Namens.
Das Leiden der Außenseiter, so weiß Edelmann aber auch, beraubt
sie keineswegs ihres natürlichen Adels. Die Leidenden sind Auserwählte
eben auch, und das gibt ihnen Hoffnung, Stärke, Duldsamkeit und Auftrag.